Neue Initiative Bildungsförderung

für eine nationale Bildungsagentur und dreistufige Studienfinanzierung

Eltern werden aktiv – aber wo soll man das Bildungssystem anpacken?

Montag 15. Juni 2009 von frih

Im Vergleich mit den europäischen Nachbarn wird deutlich, dass das problematische Scharnier des Bildungssystems im unterschiedlichen Grad der Institutionalisierung der Bildungsförderung liegt: In Deutschland gibt es weder bundesweit gültige noch systemisch einheitliche Maßnahmen der Ausbildungsförderung, während in den meisten Nachbarstaaten so etwas wie nationale Bildungsagenturen Erfolg haben. Vor allem garantieren sie einheitliche Strukturen der Förderung & Chancengleichheit in der Ausbildung. Während die Azubi & Studenten in Deutschland dem Willen der oft unverantwortlichen oder bildungsfremden Eltern ausgeliefert oder vom volatilen Einkommensverhältnissen des Versorgers abhängig oder gar den Launen des familiären Ernährers unterworfen sind, haben die europäischen Studenten institutionell & rechtlich einen abgesicherten Anspruch auf Studiengeld für den Unterhalt. Vielleicht erklärt sich der gravierende Unterschied in der Anzahl der Studienanfänger in Deutschland (36 %) und vergleichbaren europäischen Staaten (54 % als Durchschnittwert) aus diesem unterschiedlichen Grad der Institutionalisierung der Bildungsförderung.

Jetzt haben sich die verantwortlichen & politisch aktiven Elternvereine aus fünf großen Bundesländern zusammengeschlossen und wehren sich dagegen, dass Bildung zum Pseudo-Thema im Wahlkampf missbraucht wird. Sie setzen sich für Beibehaltung eines vielfältigen Schulsystems ein (siehe auch bildungsklick.de):

„Wir sind es leid, ständig zu hören und zu lesen, was eine angebliche Mehrheit in Deutschland will. Die wirkliche Mehrheit will eben kein undifferenziertes, alle Kinder gleichmachendes Einheitsschulwesen. Sie will eine Schulstruktur, die allen Begabungen durch individuelle Förderung gerecht wird, nicht durch Absenken aller Standards auf die niedrigstmögliche Ebene. Die Eltern haben viel zu lange geschwiegen. Das wird jetzt anders werden.“

Den einen oder anderen Aspekt der offensichtlich ineffektiven Bildungspolitik der letzten Jahre werden die Hauptakteure im Superwahljahr 2009 gewiss aufgreifen. Jedoch ist hier ein weiteres Paradoxon zu beobachten: Anstatt die vormoderne & patriarchalische Bildungsförderung anzupacken, konzentrieren sich die noch spärlichen bildungspolitischen Debatten in Deutschland auf den hochgradig institutionalisierten Bereich der Ausbildung (Schulsysteme & -formen, Ausbildungsdauer & -inhalte: z.B. G12 oder G13, Ethik und/oder Religion etc.): Es stellt sich daher die Frage, ob es den Reformern gelingen wird, diesen vormodernen Zustand der Bildungsförderung und die daraus resultierenden strukturellen & finanziellen Unsicherheiten in der individuellen Ausbildungs- & Berufsplanung auf die Agenda zu setzen, oder ob die politischen Akteure zum x-ten Mal über Vor- & Nachteile des ein-, zwei- oder dreigliedrigen Schulsystems auch noch im Superwahljahr 2009 parlieren werden.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 15. Juni 2009 um 18:34 und abgelegt unter Bildungspolitik, Chancengleichheit, Eltern-Netzwerk, Familieneinkommen, Integration, Leistungskriterium, Schulsystem. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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