Neue Initiative Bildungsförderung

für eine nationale Bildungsagentur und dreistufige Studienfinanzierung

finanzielle Situation

In Deutschland hat sich ein unübersichtlicher Flickenteppich der Ausbildungsförderung entwickelt, der immer noch durch große Löcher gekennzeichnet ist: Trotz über 16.000 Stiftungen in Deutschland im Jahr 2008, die alles und nichts in der Welt fördern wollen, spielen Stipendien für Studienanfänger keine nennenswerte Rolle (unter 1 %). Dafür aber gibt es staatliche Förderung via BAföG, das jedoch weniger als 30 % der Studierenden erreicht – und davon erhalten die wenigsten den vollen Förderbetrag. Neuerdings werden unattraktive & verwickelte Studienkredite angeboten, die folgerichtig gerade mal von 3 % der Studierenden in Anspruch genommen werden. Die finanzielle Unterstützung durch die Eltern (Großeltern etc.) wird somit zu der eigentlichen Existenzgrundlage der Studenten während der Ausbildung. Jedoch reicht dies alles offenbar nicht aus, da faktisch über Zweidrittel aller Studierenden notgedrungen nebenher jobben gehen. Mit anderen Worten wird die Bildungsförderung in Deutschland den Studierenden selbst und ihren Familien – falls vorhanden – weitgehend überlassen. Entsprechend leiden die Abschlüsse an Qualität – und sie kommen in der Regel zu spät, wenn überhaupt.

Die Besonderheiten der Ausbildungsförderung in Deutschland zeichnet sich durch einen paradoxen Mangel an öffentlicher & privater Förderung aus: Während die Ausbildung selbst zunehmend institutionalisiert wird, bleibt die Förderung derselben noch in vormodernen Strukturen verhaftet, indem den patriarchalisch-familiären Entscheidungsgewalten überlassen wird, ob und wie sich der Nachwuchs am besten auf das berufliche Leben vorbereiten soll. Während die deutschen Studenten vom volatilen Einkommensverhältnissen des Versorgers abhängig sind und (insbesondere die Studenten mit Migrationshintergrund) dem Willen ihrer oft bildungsfremden Eltern ausgeliefert oder gar den Launen des familiären Ernährers unterworfen sind, haben z.B. die skandinavischen Studenten schon seit Jahrzehnten einen rechtlich abgesicherten Anspruch auf Studiengeld für den Unterhalt.