Neue Initiative Bildungsförderung

für eine nationale Bildungsagentur und dreistufige Studienfinanzierung

Debatten

Die staatliche Förderung für Studierende zu bündeln, insbesondere das Kindergeld und das BAföG als einheitliche Bildungsförderung zusammenzufassen, ist bereits häufig diskutiert worden. Diese Überlegung tauchte das erste Mal in den vielen heißen Debatten über Bildungsreform und alternative Schulsysteme in den 70er & 80er Jahren auf. Wie ein Blick über die Grenzen zu den europäischen Nachbarn zeigt, lag diese Idee auch sehr nah: Überall werden Menschen ab dem 18. (z.T. ab 16.) Lebensjahr nicht mehr als Kinder betrachtet, sondern als (junge) Erwachsene. Für sie erhalten die Eltern auch kein „Kindergeld“ mehr. Vielmehr erhalten die jungen Erwachsenen in den europäischen Wohlfahrtsstaaten, wenn sie sich in einer Ausbildung befinden, direkt Geld zum Unterhalt in unterschiedlicher Höhe (als Studienkredit, Stipendien etc.), jedoch in der Regel unabhängig vom Einkommen der Eltern.

Diese Überlegung, das Kindergeld in Bildungsgeld umzuwandeln, ist daher schon alt, aber erhielt erst vor ein paar Jahren einen neuen medialen Auftrieb, als die Bündnis-Grünen sich solche Ideen zu eigen machten. Unter dem Etikett des Grünen Bildungsgeldes versteckte sich allerdings ein erweiterter Wunschkatalog des Guten & Gerechten, der auch noch verdoppeltes Kindergeld, kostenlose Kinderbetreuung, gemeinsame Schule bis zur zehnten Klasse & vieles mehr anvisierte. In den konkreten Vorschlägen aus den Jugendorganisationen der Grünen ist das Bildungsgeld zusätzlich mit einer fraglichen Ideologie einer „Grünen Grundsicherung sowie den Prinzipien eines Grundeinkommens“ verknüpft, wie es im Grundsatzpaper der jungen Grünen zu lesen ist. Selbstredend können die Autoren dieser blühend grünen Ideen nicht annähernd belegen, wie solche Wohltaten zu finanzieren sind. Neben den immergleichen Vorschlägen von der „Erhöhung der Erbschaftssteuer“ bis zur „Wiedereinführung der Vermögenssteuer“, schlagen die jungen Grünen zudem vor, die Finanzierung zum größten Teil durch „die verstärkte Bekämpfung des Umsatzsteuerbetruges“ zu gewährleisten!

Es ist bezeichnend für den Mangel an politischen Ideen & Reformvorschlägen in Bezug auf die Bildungsförderung, dass außer diesen überschwänglichen & niemals realisierbaren Vorschlägen der jungen Grünen (von üppigem Bürger- & Bildungsgeld für alle & einfach so), in den letzten Jahren keine medial wirksamen Konzepte der Bildungsförderung seitens der etablierten Denkfabriken der Politik formuliert wurden. Während die bildungspolitischen Sprecher der großen Parteien insbesondere das Bildungssystem dort anprangern, wo Deutschland im europäischen Vergleich eher gut bis sehr gut dasteht (etwa die Berufsausbildung oder die Lehrerausbildung), wird das mangelhafte System der Bildungsförderung erst gar nicht auf die Tagesordnung gesetzt.